Wildschutz

 

Insbesondere Dauergrünland (5 Millionen ha) ist ein unverzichtbarer Lebensraum für Säugetiere wie etwa Rehe und Feldhasen sowie für Wiesenvögel, Amphibien, Reptilien und Insekten. Jährlich fallen tausende Tiere dem Mähwerk zum Opfer. Dies wirkt sich negativ auf den Wildbestand, aber auch auf die Futterqualität aus und kann zu Botulismus führen. Nachfolgend werden einige einfache Maßnahmen vorgestellt, mit denen viele Tiere vor dem Mähtod bewahrt werden können.

Insbesondere Rehkitze sind zum Zeitpunkt des ersten Schnittes besonders gefährdet. Der „Drückinstinkt“, ein angeborenes Schutzverhalten, führt dazu, dass die Kitze bei Gefahr bewegungslos am Boden verharren und in der Folge vom Mähwerk erfasst werden. Gleiches gilt für das Blenden mit dem Licht von Arbeitsscheinwerfern, weshalb das Mähen in der Dunkelheit weitestgehend vermieden werden sollte.

Grundsätzlich ist eine gute Zusammenarbeit von Landwirt und Jägerschaft anzustreben. Ist der Mähtermin bekannt, sind Jäger oft bereit die Flächen im Vorfeld mit ihren Jagdhunden abzusuchen und Wildtiere in Sicherheit zu bringen. Auch Vergrämungsmethoden zeigen bei einigen Tierarten gute Erfolge. Dazu werden einfache Hilfsmittel wie Knistertüten, Luftballons, Flatterbänder, CD’s und andere Blinkelemente am Tag vor dem Mähen aufgestellt. Empfehlungen zur Stückzahl reichen von einem Störgegenstand pro Hektar bis hin zu einem Zwischenabstand von 25 Metern. Grundsätzlich aber gilt: Je mehr, desto besser!

Den größten Einfluss auf den Wildschutz kann jedoch der Landwirt selbst mit seiner Fahrweise nehmen. Große Aufmerksamkeit und eine reduzierte Fahrgeschwindigkeit auf Teilflächen mit bekannt hoher Wilddichte sollten selbstverständlich sein. Sind Rehgeissen am Feldrand zu sehen, muss damit gerechnet werden, dass ein Kitz in der Nähe abgelegt wurde. Im Bereich der Kleintiere und Insekten spielt auch die Art der Mähtechnik eine entscheidende Rolle. Rotationsmähwerke mit Aufbereitern haben eine Sogwirkung und töten laut einer schweizer Untersuchung durch Quetschen und Knicken der Halme bis zu viermal mehr Bienen als Mähwerke ohne Aufbereiter (UFA-REVUE 2013). Noch viel zu oft ist es gängige Praxis „von außen nach innen“ zu mähen. Aus Sicht des Wildschutzes ist dies die schlechteste aller Varianten, da die Wildtiere wie auf einer Insel eingekesselt werden und instinktiv nicht über gemähte Schwade ausweichen würden. Wie es richtig geht, sehen Sie auf den nachfolgenden Abbildungen.

Quelle: Landesjagdverband NRW 2015
Quelle: Landesjagdverband NRW 2015

 

Wildschutz dient nicht nur der Erhaltung des Wildbestandes und der Futterqualität. Der Umgang mit Wildtieren ist ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Wahrnehmung von uns Landwirten!

                                                                                                                                                               Karsten Bommelmann, AG FuKo und Helge Bernotat

Es bleibt anzumerken, dass das Salz der Winterdienste, welches sich im Aufwuchs der Straßenbegleiträume wiederfindet, Quelle der Wildtiere ist, mit dem sie ihren Bedarf decken. Hier könnten Salzlecken im Hinterland eine deutliche Reduzierung der Wildschäden herbeiführen. Desweiteren sollte bedacht werden, dass die Zeitumstellungen Sommer/Winter durchaus dazu führen könnten, dass Wildwechsel zu gewohnter Tageszeit ad hoc mit den verschobenen Hauptverkehrszeiten konfrontiert werden.

 

Erhalt  bis Wiederansiedlung

Zu unterscheiden gilt die Anlage von Biotopen bzw. naturnahen Flächen, welche Lebensraum bieten, welcher "von alleine" wiederbesiedelt wird, von der Einführung eingefangener Wildtiere bzw. der Aussetzung von Nachzuchten von solchen.

Im letzeren Fall wird man aber beachten müssen, dass hier nicht nur jagdethische Grundsätze, sondern auch evolutionsbiologische Faktoren zu berücksichtigen sind:

Tiere in Gefangenschaft werden unter Menschenkontakt aufgezogen, permanente Fütterung und Schutz vor Witterungseinflüssen, medizinische Versorgung etc. verhindern eine Anpassung an Lebensbedingungen in der Natur. Prädatoren, zyklischer Nahrungsüberfluss und - mangel kennt kein Tier hinter Gittern, eine Selektion, der die wildgeborenen Verwandten unterliegen, wird ausgehebelt.

 

Jedenfalles ist grundlegend folgende Rangordnung zu befolgen:

1. Biotopvoraussetzungen schaffen/erhalten:

Lebensräume für Wildtiere müssen Wohnraum, Nahrung und Deckung/Rückzugsmöglichkeiten bieten. Die Bewirtschaftung ist am Schutz der Bewohner zu orientieren: 4-6-Schnitt-Leistungswiese . /. spätschnittige Blumenwiese zur Pferdeheugewinnung*

 

 Siehe hierzu:

Quelle: Netzwerk Lebensraum Feldflur
Quelle: Netzwerk Lebensraum Feldflur

Hier offenbahrt sich die Problematik der intensiven Grünlandbewirtschaftung mit Leistungsgräsern: Man gewinnt Mengenertrag aus der Schnitthäufigkeit , nicht der Wuchshöhe. Bis zu 6 Schnitte mit N-Düngung von bis zu 380kg/ha und Jahr, generieren Schnittzeitpunkte, welche den Setz- und Brutzeiten zuwiderlaufen.

 

2. Räumliche und funktionale Vernetzung unterschiedlicher Biotopformen beachten:

- extensives Grünland + Saumbiotop Hecke

- Feldgehölze ( Saum-, Mantel- und Kernzone)

- Hoch-/Niedermoor + Feucht-/Nasswiese

- Magerwiese + Heiden

- Lichtsäume + Weg-/Ackerränder

- Blanken + Teiche mit Seggenried (Röhrichtzone und Weichholzaue)

- Mauern + Hofsäume

 

3. Dysbalancen bewerten

-Praedatorendruck durch Neozoen ohne Gegenspieler: Waschbär, Marderhund etc.

-Biotopkonkurrenten: Nilgans . /. Wasservögel, Mink . /. Nerz, Nutria . / . Bisam etc.

-Populationsüberhang: Schwarzwild (Reproduktionsrate >300% p.a. etc.)

 

 

Biotopvoraussetzungen:

 

-Wiesen- und Waldhühner:

 

1. Birkwild:

   Nadel- und Mischwälder, ungleichaltrig bzw. Hoch- und Niedermoor, Heiden mit geringem Baumbewuchs:

   Kiefern- und Lärchennadeln, Waldbeeren, Wildkräuter, Sämereien, Wildobst, Eicheln, Vogelbeeren, zzgl. Insekten,

   Kerbtiere und Ameisen insb. zur Jungenaufzucht.

2. Haselwild:

   

3. Fasan:

 

 

Gestern noch Wildacker, morgen Maisfeld!

4. Rebhuhn

 

5. Wachtel

 

 

 

Fortsetzung folgt!