Problematik der Kreuzkräuter

 

Versuche auf Grünland zur Landschaftspflege durch Pferde-Heugewinnung und -optimierung (Nordtyp) in extensiver Bewirtschaftung und dem primär daraus folgenden Umgang mit (Jakobs)kreuzkraut (JKK) sind Grundlage dieser Ausführungen.

 

Vorab mein theoretischer Bewertungsansatz:

 

JKK etc. enthält sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA), welche im Stoffwechselgeschehen in den Konsumenten leberschädigend wirken und dies mit der Potenz, auch töten zu können. Wenn man KK als Quelle ansieht, welche PA in Nahrungsketten einspeist und sich mit zunehmender Ausbreitung dieser Pflanzen immer weiter öffnet, wird es offensichtlich, dass alle Konsumenten unvermeidlich zunehmend davon betroffen sein werden.

 

Es gibt Untersuchungen darüber, welche Mengen tödlich sind, aber bisher keine Langzeitstudien, die bestimmen, ab welcher Menge sich geringe, permanent oder von Zeit zu Zeit aufgenommene Dosen der PA (Senecionin u.a.) in den unterschiedlichen Konsumenten auswirken, ab wann, bei welcher Kleinstmenge eine Organschädigung durch Bildung der stabilen, nicht abbaubaren Metabolite (Dehydropyrrolizidine DHP) einsetzt und diese akkumulieren. Es ist davon auszugehen, dass PA nach o.g. Umwandlung kanzerogen wirken, d.h. derartig veränderte Leberzellen reproduzieren sich  und unterlaufen damit den Regenerationsprozeß dieses Organs.

Daraus gibt es keine Orientierung, geschweige denn Handlungssicherheit. Aufgeflogene und anhaftende Samen sind eine ernstzunehmende Belastung mit PA von Heu, Heulage und Ackerfrüchten (Todesfälle über kontaminiertes Getreide!).

170* verschiedene Arten leben laut NABU auf JKK und speisen als Beutequelle in andere Nahrungsketten ein. Wie wirkt sich ein zunehmendes Quantum an PA daraus auf z.B. Schlangen, Eidechsen, Nagetiere, Spinnen, Vögel und Fledermäuse etc. aus? Rehbestände z.B. nehmen in Regionen hohen JKK-Besatzes ab.

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*Anzumerken ist, dass mit Senecio jacobaea offensichtlich eine weitere Art zu günstige Bedingungen findet:

In Bereichen, in denen die Pferde nicht laufen und keine Mahd erfolgt, steht eine überschauhbare Anzahl von JKK auf meinen Flächen, deren Bestand kontrolliert wird (Samen werden eingetütet und verbrannt, nachdem Tyria jacobaea sich verpuppt hat). Die Wespenspinne ( Argiope bruennichi )  etabliert sich mehr und mehr auf den Kreuzkräutern und räumt diese ab: innerhalb eines Jahres ging der Bestand an Tyria jacobaea drastisch zurück. Hier stellt sich dann die Frage, wie viel PA-haltige Wespenspinne der Singvogel in Massenbeständen der KKs verträgt.

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Auch wenn Grenzwerte aufgrund des Wachstumverhaltens des JKK im Grünland (s.u.) und unterschiedlicher PA-Konzentrationen in Klonen, jungen/alten Pflanzen, in Blüten/Stengeln, nach Verbiss und Schnitt, heterogener Verteilung auf der Fläche etc., schwierig wenn nicht unmöglich zu quantifizieren sein dürften*, würden diese dennoch eine Vereinheitlichung der Bewertung der toxischen Wirkung der PA herbeiführen, die wir dringend benötigen.

*Mathematisch wären 2-3 Pflanzen ein Anteil im Ballen im ppm-Bereich. Nur würde die Aufnahme aus der Raufe nicht in diesem rechnerischen Anteil pro Tier erfolgen, sondern wohl stengelweise in dem Einem oder Anderem landen.

 

So lange hier keine Eindeutigkeit auf der Basis wissenschaftlicher Studien erzielt und veröffentlicht wird, verbleibt eine gewisse Beliebigkeit im Umgang mit den PA in Futtermitteln etc. (Produktsicherheit, Futtermittelverordnung, Justiziabilität)

Dies führt zu solchen Praktiken:

Copyright: A. Ebel / Heuwerbung auf Kreuzkrautfläche
Copyright: A. Ebel / Heuwerbung auf Kreuzkrautfläche

 

Die Meinungen reichen derzeit hypothetisch von kumulativ irreversibel schädigend, so dass jeder Bestandteil einer Pflanze wie JKK im Futter einen Schritt in Richtung der Organschädigung wäre, bis zur ebenso hypothetischen Gegenposition, die ausführt, dass JKK in erster Linie mit die Artenvielfalt sichere, PA aus vielen anderen Pflanzen schon lange die Erstkonsumenten damit konfrontiere, hierdurch eine Art Gewöhnungsprozess eingetreten sein dürfte und darüber hinaus gerade Lebern als hochregenerative Organe anzusehen seien. Gesicherte Erkenntnisse sind trennscharf von Vermutungen zu unterscheiden. Auch wenn letztere getragen sind von noch so hohen u.U berechtigten Wahrscheinlichkeitsannahmen, generieren sie dennoch nur Hypothesen, setzen also ein Fragezeichen. Letztere mit einem Ausrufezeichen darzustellen ist unsaubere Argumentation. Weder diese, noch Polemik oder Dogmatik, sollten in Diskussion und Meinungsbildung weiterhin Platz haben.

 

Das Bild einer Grünlandfläche, welche sich nach Besiedlung mit JKK innerhalb kurzer Zeit in eine Plantage dieser Pflanze umwandeln kann, zeigt die enorme Verdrängungskapazität zu Lasten jeglicher Biodiversität, welche ja grundsätzlich bei jeder weiterführenden Entgleisung ihres dynamischen Gleichgewichtes durch geeignete Maßnahmen zu begünstigen UND zu erhalten ist - siehe Kulturheidelbeeren in renaturierten Moorflächen.

 

In Irland, England und der Schweiz herrscht ein anderer Tenor vor. Dort spricht man von „gemeingefährlich“, „meldepflichtig“ oder „bekämpfungswürdig“. Das Endophyte Service Laboratory in Corvallis, USA listet die drei gefährlichsten Weidegiftpflanzen in der Studie: "Fate and metabolism of plant toxins in livestock"- Jennifer M. Duringer, PhD OSU 2007 - auf: Jakobskreuzkraut und nach Infektion mit endophytischen Pilzsymbionten und deren Produktion von Lolitrem B bzw. Ergovalin auch Rohrschwingel und Deutsches Weidelgras nebst Verbastardierungen.

 

Unabhängig von seiner toxikologischen Bewertung, sollte man sich darüber hinaus der quantitativen Auswirkungen bewusst sein:

JKK-2.Blühperiode
JKK-2.Blühperiode

 

Aufgrund der Ausbreitungskapazität des JKK ist es dazu in der Lage, Grünlandflächen zunehmend zu durchsetzen, bis hin zur überwiegenden Verdrängung der Futtergräser und letztendlich der vollflächigen Besetzung. Jede dieser Pflanzen (2 Hauptblühperioden p.a. mit Nachzüglern bis in den November) kann im Jahr bis zu 150000 Samen produzieren, welche zum großen Teil im engsten Umkreis verbleiben, aber durchaus über Kilometer insbesondere am Straßenrand über Wind und Anhaftung (klebrig!) an den (landwirtschaftlichen) Fahrzeugen verteilt werden und ca. 20 Jahre im Boden keimfähig bleiben.

Die Studien hierzu beinhalten keinen Weitertransport über Anhaftungen an Federn oder Haaren, so dass der 50m Umkreis, den man derzeit als Gefährdungsbereich annimmt, als nicht gesichert anzusehen ist.

 

Des Weiteren breitet sich JKK nach Schnitt auch über Seitentriebe im Wurzelbereich (Wurzelknollen) aus, die im Umfeld der originären Pflanze an die Oberfläche wachsen, dort eine neue Pflanze ausbilden und so eine Nesterbildung bewirken, die erheblich Fläche vereinnahmt.

 

Eine Erstbesiedlung von Grünland wird unter Umständen so verlaufen, dass erstjährig Rosette und im Folgejahr das stengel- und blütenbildende Adultstadium mit noch geringer Wuchshöhe so im umgebenden Bewuchs eingebettet sein können, dass JKK Bestandteil des Mähgutes ist, ohne bewusst geworden sein zu müssen.

Wer sich die Mühe macht, von JKK besiedeltes Grünland, zu sichten, wird feststellen, dass zeitgleich neben einer Pflanze, die in vielleicht 1 m Höhe einen Korb gelber Blüten gebildet hat, parallel Pflanzen in Erscheinung treten, deren Blütenstände 15, 20 oder 30 cm über dem Boden stehen, aber auch solche, deren Rosette sich am Boden entfaltet hat. Dies verkompliziert den Umgang und die Bewertung der Situation auf einer Fläche.

Hier stehen noch ca. 400 Pflanzen JKK/ha

 

Sollte sich erweisen, dass diese Pflanze nebst Verwandten auf Grund ihrer toxischen Wirkung, die bekanntermaßen auch humangefährdend ist, schnellstmöglich und dauerhaft flächendeckend auf ein vertretbares Maß zurückgeführt werden muß, wird jedes Jahr, in dem eine Entscheidung zur systematischen Eindämmung mangels fehlender o.g. Erhebungen später getroffen wird, dieses Problem vergrößert haben.

Zu bedenken hierbei ist, welch hohe Anzahl von Weidetieren mit konserviertem Grünlandschnitt „über den Winter gebracht werden muß“. Je länger man zögert und je größer hieraus das hinterlegte Samenreservoir im Grünland wird, desto höher werden Kosten, Ernteverluste und temporärer Ausfall von Flächen für Futtergewinnung und Beweidung sein.

 

Nun zur Praxis:

Beim manuellen Ziehen oder Ausstechen verbleiben Teile der Wurzelknospen in der Regel im Boden und treiben weitere Pflanzen aus. Auch die nicht vollständig entfernte Hauptwurzel kann regenerieren (Adventivtriebe). Umbruch mit Neueinsaat -vorheriges Abtöten der aktiven Pflanzen?, ich denke aus o.g. empfehlenswert!- sollte unmittelbar zu einer hochgeschlossenen Narbe führen (Aussaatstärke und -technik), da KK anfangs konkurrenzschwach ist und im dichten Bestand zwar keimen kann, aber nicht gedeiht. Aber, je nach hinterlegtem Samenreservoir im Boden, kann das zu einer Dauerbaustelle werden, wenn z.B. Wildschweine die geschlossene Bodendecke öffnen:

Daraus sollte man in Abhängigkeit der Befallssituation uU hier mit mehrfachem Grubbern nach Bestands-eliminierung und vielleicht einer Zwischenfrucht aus z.B. Phacelia, Buchweizen, Ölrettich und Lupinen arbeiten.

 

Bei Schnitt/u.U.Mulchen der Pflanze ist davon auszugehen, dass abhängig von der Witterung innerhalb von ca. 4 Wochen sich am Reststengel ein neuer, wenige cm hoher Trieb mit Blütenstand ausbildet (x-facher PA-Gehalt). Selbst wöchentlicher Schnitt (s.u.)  tötet die Pflanzen nicht ab. Schnitt bewirkt aber die Ausbildung von Wurzelknospen und verringert die Wuchshöhe auf Minimum: Unauffindbar!

Jakobskreuzkraut nach Mehrfachschnitt
Jakobskreuzkraut nach Mehrfachschnitt
Jakobskreuzkraut: Wurzelknospen nach Schnitt
Jakobskreuzkraut: Wurzelknospen nach Schnitt

 

Bei mindestens drei Schnitten (und daraus guter Narbenabdeckung!) pro Jahr in Verbindung mit einem Phosphorbodengehalt >60mg/L, wird (J)KK keinen Fuß fassen.(„Toxic plants and natural toxicants“ Garland, Barr 1998)

 

Ein eventuell dennoch zuziehender Minimalbestand ist darüberhinaus mit Kleinspritze oder Dochtstreichgerät effektiv bekämpfbar und kann eine Woche nach Behandlung mit Simplex oberirdisch entfernt werden, um die PSM-Belastung und horizontalen Transfer von PA zu reduzieren.

 

Bei Extensivierung der Bewirtschaftung zur Pferdeheugewinnung mit 2-Schnitt-Nutzung unter Verzicht auf Festulolium, Schwingel- und Weidelgrasarten (Energiegehalt, Fructanbelastung i.V.m Stickstoffüberversorgung, geringerer Zelluloseanteil, Pilzsymbionten etc.), welche auf Grund zunehmender Fälle von Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen wie EMS, Sommerekzem/sonst. Allergien, Hufrehe, Leber- bzw. Nierenproblemen und mittelfristig drohender Endophytenproblematik* (Pferdespiegel 529, Pferd&Freizeit 3/2014) als Kontrastprogramm in diesem Versuchsansatz betrieben wird, stellt sich die Situation ganz anders dar: Extensivierung geht einher mit geringerer Bodenabdeckung und daraus Zuzug von Schadpflanzen.

*Pilzsymbionten werden nicht nur durch Verbastardierung, sondern auch über Getreideblattläuse aus privilegierten Einsaaten, für Gärten, Parks und Golfgreens und den hohe Konzentrationen aufweisenden Straßenbegleiträumen in einem nördl. Nachbarland (einem Saatlieferanten Deutschlands) übertragen.

 

 

Bei Umbruchverbot auch zur Grünlanderneuerung und uU demnächst dem Verbot des Fräsens zur Vermeidung der Freisetzung wurzelgebundenen Nitrats, verbleibt bei Befall wegen des Wegfalles dieser unterstützenden mechanischen Bekämpfung hier lediglich permanente intensive Narbenpflege neben einem zeitintensiven, punktuellen, systematischen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zum Erringen/Erhalten von Giftfreiheit (ca.50 Wiesenpflanzen wie Kreuzkräuter, Gundermann, Ampfer,etc.) und Schadpflanzenbegrenzung (Knötericharten, Vogelmiere,...), der natürlich auch ganzflächig stattfinden könnte, dann aber Leguminosen und alle anderen zweikeimblättrigen Pflanzen weitestgehend eliminierte. (Naturschutz und Landschaftsplanung 42(12), 2010). Stickstoffdüngung bewirkt steigende Nitratwerte im Grundwasser, schnelleres Wachstum (Stabilität?), erhöht den Stickstoff-, senkt aber den Fructangehalt. Ein später erster Schnitt (ca. 15. Juni f. Bodenbrüter/Wiesenvögel) benötigt welche Gräserzusammensetzung, durch Kräutereinsaaten angereichert (zu beachten: die daraus folgende Pufferung bei Silierung und Verlängerung der Heutrocknung), auf höhere Biodiversität ausgerichtet, um pferdegerechtes Heu* zu erbringen? Welche Saatmischungen, wie gedüngt etc. erfüllen das? Jedenfalles generierte hoher Pflegeaufwand und niedrigerer Ertrag (ca.20% pro Schnitt) einen Preis für das Produkt Pferdeheu, der am Markt welche Akzeptanz fände.

 

 

Darüberhinaus verweise ich auf:

 

Jakobskreuzkraut, die gelbe Gefahr“, einer Darlegung der Wirkungsweise der PA und der Humangefährdung (Nachweis in Lebensmitteln) im Hessischen Ärzteblatt 5/2011 (www.aerzteblatt-hessen.de).

Pferde und Giftpflanzen“ 2.Auflage 2010 erschienen im FNverlag.

Stellungnahme BfR Nr.: 028/2007“

Die Problematik der Kreuzkräuter“ von Benjamin Leitschuh, VDM Verlag 2011

 

Weiterhin zurückhaltend zu verfahren dürfte Flächen, wie die unten Abgebildete zu einem gewohnten Bild in unserer Umwelt werden lassen:

 

copyright: A. Ebel...........................................................................................................................................................      BIODIVERSITÄT?
copyright: A. Ebel........................................................................................................................................................... BIODIVERSITÄT?

 

Davon auszugehen, dass so ein Massenbestand von alleine einbricht, halte ich für sehr gewagt, zumal das Samenreservoir, welches bis dahin im Boden hinterlegt wäre, bei jeder Lichtzufuhr wieder aktiv werden könnte. Auf Schädigung durch Raupen, Blattrandkäfer, Saatfliegen, also Fraßfeinde zu vertrauen, bringt auch keine Lösung, da die Pflanzen regenerieren und z.B. Tyria jacobaeae (Blut- oder Karminbärraupen) in der 2. Blühperiode nicht mehr aktiv sind. Nichtsdestotrotz gilt es natürlich auch die Funktion der Kreuzkräuter als Nahrungsgrundlage und Lebensraum zu berücksichtigen. Dieser Paradoxizität zu begegnen ist eine Aufgabe, welche gemeinsam angegangen werden sollte und dies schnell, denn Verstärkung gibt es auch noch:

 

S. inaequidens (Bild 1 u. 2), S. vernalis (Bild 3), S. vulgaris (Bild 4), S. sylvestris (Bild 5), S. inaequidens im Grünland (Bild 6)

 

Selbsteinbruch oder Verbastardierung?

Zu denken sollte geben, dass unsere heimischen Kreuzkräuter untereinander und mit dem Schmalblättrigen, einem Neophyten aus Südafrika verbastardieren können. Siehe hierzu bitte  "Pflanzensoziologische Exkursionsflora" von Erich Oberdorfer, Ullmer Verlag 8. Auflage 2001 S. 950ff  i.V.m. "Senecio inaequidens: a new alien species for the Bulgarian flora", by Vladimir Vladimirov & Ana Petrova, Institute of Botany, Bulgarian Academy of Sciences.

Der vielerorts erhoffte Selbsteinbruch ist nicht kategorisch auszuschließen. Denkbar ist, dass es zu einem Rück- gang der Massenbestände kommen kann. Allerdings wird diese Entwicklung sich über Jahre erstrecken und keinesfalles werden Grünländer hierdurch kreuzkrautfrei werden. Letzgenanntes ist aber Voraussetzung zur für die Futtergewinnung.

 

 

 

Systematischer Einsatz von Fraßfeinden:

 

-Raupen des Tyria jacobaeae

M. E. abzulehnen, da die Pflanzen nach Verpuppung dieser Raupen regenerieren und eine systematische Anrei-cherung der Systeme mit PA-haltiger Beute unwägbare Auswirkungen auf die Folgekonsumenten* haben kann.  Die Wespenspinne (s.o.) zeigt, dass bei solchem Vorgehen ein Mitspieler in Erscheinung treten kann, der diesen Ansatz zu konterkarieren in der Lage ist. Auch wird es nicht Programm dieser Art sein, ihre Hauptnahrungsquelle abzutöten.

* Die systematische Anreicherung mit Frassfeinden der Kreuzkräuter bewirkt eine vergrößerte Verschiebung der PA von den

  Pflanzen in die Konsumenten. Letztere sind Bestandteil einer Nahrungskette (z.B. Wespenspinne-Singvogel etc.)  in die entspre-

  chend mehr PA eingespeist wird.

Regeneration nach Verbiß
Regeneration nach Verbiß

 

-Wildkaninchen

Alternativ zieht man eine Ansiedlung* von Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)  in Betracht, welche ".....nicht mehr gejagt * und dort wo sie verschwunden sind, wieder angesiedelt werden sollten!"- Friends of Earth, SH:

Populationsdynamik:

-Rammelzeit von Februar bis Oktober und daraus 4-6 Würfe pro Jahr mit jeweils 4-6 Jungkaninchen

-Die Junghasen beginnen noch im ersten Lebensjahr zu setzen - geschlechtsreif mit 6-8 Monaten.

-Daraus entstehende Massenvorkomen* belasten die Prädatoren (z.B. Marder, Greifvögel, Wildkatze und Fuchs)

  mit PA!!!

 *Verstoß gg. BJagdG

 

-Psyllioden

Der Einsatz von z.B. Erflohkäfern, deren Larven die Wurzeln schädigen, erscheint sinnvoller, da jedenfalles eine Bekämpfung im unterirdischen Teil erfolgen sollte, da selbst wöchentlicher Schnitt diese Pflanzen nicht abtötet und jede oberirdische Verletzung zu vegetativer Vermehrung führt, Wurzelknospen treiben aus und bilden neue Pflanzen. Allerdings stellt sich per se die Frage, ob es sinnvoll ist, einem Ungleichgewicht ein Weiteres entgegen-setzen zu wollen.

 

Alternativ: Reaktivierung von Feuchtwiesen / Sukzession

 

Feuchtwiesen reaktivieren:

FoE, SW: "Trocken gelegte ehemalige Feuchtwiesen sollten nach Wiedervernässung wieder für die extensive Heugewinnung genutzt werden, da das Jakobs-Kreuzkraut auf Feuchtflächen nicht gedeiht."

Hierzu:

Feuchtwiesen sind durchaus auch Heimat der Kreuzkräuter. Eine Heugewinnung ist fraglich, da Seggen und Binsen ebenso wie der Ackerschachtelhalm eine Werbung sinnlos machen könnten.

 

Sukzession dulden:

"Brachflächen sollten einer weitestgehenden Sukzession überlassen werden, in deren Verlauf das Jakobs-kreuzkraut durch Beschattung von aufkommenden Gehölzen zurückgedrängt wird!"

Hierzu:

Zu unterscheiden ist zwischen halboffener Weidelandschaft, die ökologisch wertvoll ist und der Fläche die verbuscht und verwaldet - ökologisch eher uninteressant, da Lebensraum idealerweise durch Saumbiotope

i.V.m. artenreichem Grünland geschaffen wird (Wachteln und Rebhühner sind nunmal Feldhühner!).

 

Fazit:

Massenhafte Ausbreitung indiziert eine Systemstörung. Diese gilt es zu beheben. Falsches Weidemangament, Degradation, Dysbalancen der Nährstoffgehalte, Bodenverdichtungen, fehlende Standorteignung des Bewuchses etc. sind Ansatz für eine Eindämmung-näheres hierzu siehe bitte unter: "Dauergrünland und Naturschutz"*

 

 

 

Zusammenfassung:

Wir benötigen Schwellenwerte für PA um abwägen zu können, mit welcher Toleranz den Kreuzkräutern in unserer Umwelt zu begegnen ist. Bei niedersachsenweit 2,7Mio.Rindern, 227000 Schafen und 21000 Ziegen gibt es keine Alternative zur intensiven Bewirtschaftung eines Großteiles der Grünländer. Bei den 199000 Pferden mit einem Tagesheubedarf von 1,5-2kg pro 100kg LM an gehaltärmerem Grundfutter, ergäbe sich ein enormes Kontingent, welches auf Flächen** gezogen werden könnte, die extensiver bewirtschaftet, auf Biodiversität ausgerichtet, auch Bodenbrütern wegen des späten Schnittes Fläche böten und der weiteren Massenausbreitung der Kreuzkräuter entgegenstünden.

Bei massiven Störungen des dynamischen Gleichgewichtes in Pflanzengesellschaften, allein auf die Selbstheilungskräfte der Natur vertrauen zu wollen, halte ich persönlich für unrealistisch. Auf Flächen mit artenreichem Bestand aus Pflanzen, die zum Standort passen, mit intaktem Bodenleben und ausgewogenen Nährstoffgehalten, gibt es keine Probleme mit den Kreuzkräutern.

Jedwede Belastung wie Schnitt, Verbiß, Vertritt, Mulchen, Mähen, Sensen etc., dem die Pflanzen ausgesetzt werden, setzt vegetative Vermehrung in Gang. Daraus ist es zwingend erforderlich bei der rein mechanischen Eindämmung den Wurzelbereich voll zu erfassen.

**Niedersachsen hat 2,6 Mio ha landwirtschaftlicher Nutzläche. Davon sind 710.000 ha Grünland.

 

Zur Eindämmung von Kreuzkraut durch Kalkstickstoffdüngung siehe bitte unter:

"Pferdeheu-Optimierung".