Proteinfehlversorgung und die Folgen

 

 

Aminosäuren sind die Grundbausteine der Proteine, deren Baupläne ganz bestimmte Anordnungen von Aminosäuren vorsehen. Aus ihnen werden, je nach Eiweißtyp, Ketten von 180 - 900 AS gebildet und über Peptidbindungen und Disulfidbrücken in sich gefaltet. Fehlt eine AS, die an einer Stelle der Kette einzubauen wäre, kann diese nach Lehrmeinung nicht durch eine andere ersetzt werden. Der Prozeß käme zum erliegen.

Andere vertreten allerdings die Meinung, dass es durchaus auch zum "Zusammenbau" falsch aufgebauter Proteine kommen könnte, welche den Stoffwechsel der Zelle stören würden (Hennig, 2011), da Membranproteine den Stoffaustausch in der Zelle steuern, im Cytoplasma enthalten sind etc.

 

Wir kennen 21 Aminosäuren, von denen acht als essentiell* eingeordnet werden, dem Pferdekörper also zugeführt werden müssen, da dieser sie nicht bilden kann. 

* Cystein und Methionin

 

Um einen reibungslosen Proteinstoffwechsel sicherzustellen, ist somit die Qualität des Aminosäure-musters im Protein entscheidend. Befindet sich auch nur eine AS im Mangel, werden massive Probleme bei der Eiweißverdauung auftreten.

Inwieweit eine Proteinüberversorgung (Quantität) als kritisch angesehen werden muss ist derzeit noch umstritten. Winter unterscheidet hier mittlerweile in Zellwand- und Zellinhaltsproteine, denen unterschiedliche Bedeutung für die Belastung des Verdauungssystemes zugewiesen werden muss.

 

siehe hierzu S. 19 ff in:

 

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Die Versorgung mit Proteinen erfolgt über das Grundfutter, dessen Proteine enzymatisch in seine AS zerlegt werden, um sie in körpereigene Proteine umzubauen: Enzymbildung, Muskulaturbildung,

Stoffwechsel bis hin zur Bildung plasmatischer Proteine der Zellen sind hiervon abhängig. In Abhängigkeit der darin vorliegenden Proteinqualität wird es ratsam sein zu ergänzen. Bierhefe, Leinkuchen oder Sojaschrot kämen hier in Frage, wobei Bierhefe doch  zu viele Nucleotide enthält, als Vitamin B-Quelle aber durchaus empfehlenswert wäre. Sojaschrot* dürfte i.d.R. Importware sein, die gentechnisch veränderte Pflanzen enthalten.

 

*

Standardfutter i.d. Massentierhaltung
Standardfutter i.d. Massentierhaltung

Grundlegend befinden wir uns hier auf zwei Ebenen. Die Versorgung des Pferdes und vorab die Bildung der AS in der Pflanze, die s.o. abhängig ist von den Nährstoffgehalten im Boden. Es gilt diesen mit den Nährstoffen zu versehen, aber auch deren Verfügbarkeit sicherzustellen. Wir führen Nähr-stoffe zu, um ausgewogene Gehalte einzustellen, stellen ihre Aufnahme durch die Pflanze sicher über: pH-Wert, Wasserversorgung, Entdichtung zur Verbesserung der Krümelstruktur, die Ionen-Austauschprozesse ermöglicht. Fraglich ist, ob diese mechanistische Vorgehensweise, die gesamte Wirkungsbandbreite voll erfaßt.

Hier möchte ich ein Zitat anfügen:

"Nur ein belebter, humusreicher Boden ist in der Lage, vollwertiges Eiweis aufzubauen!"-E.Hennig in "Geheimnisse der fruchtbaren Böden" - s. Literaturverzeichnis*

 

Womit wir bei einem fachlichen Einschub zur Rotte wären - siehe über "Klick*"

 

Um dieser Einschätzung auf den Grund zu gehen:

Humus = verrotete organische Substanz mit idealerweise einem Stickstoff-Kohlenstoff- Verhältnis  von

                  1:10

Leben = humusbildende Destruenten des Edaphons wie z.B.

Bakterien

Hefen

Schimmel- und Strahlen- und Hutpilze

Milben, Springschwänze u.a. - siehe Bild unten! - bis hin zu den

Ringel- und Regenwürmern,

      deren Stoffwechsel Humus bildet (z.B. Pilzeiweis, Vitamine etc.) und die selbst als 

      Quelle von Proteinen verstoffwechselt werden.

 

Freigabe: J. Schulte 26.1.2018
Freigabe: J. Schulte 26.1.2018

 

Daraus ergeben sich unterschiedliche Wege, um eine Proteinversorgung von hoher Qualität sicherzustellen: Eine exakte am Bedarf angepaßte mineralische Düngung des Bodens oder eine Anreicherung mit Dauerhumus, der den Boden auch revitalisiert = Zuführung der Destruenten des Edaphons s.o.

Mit Blick auf die Probleme bei der exakten Düngung mit Spurenelementen (z.B. Zink), könnte die zweite Variante durchaus langfristig vielversprechender sein.

 

Allerdings:

Nicht jede Tierausscheidung ist gleich geeignet, um eine Kreislaufwirtschaft anzustreben:

 

1. Gülle:

Säuredegradation leitet irreversible Prozesse ein und führt zu einer Verarmung des Systems

(Protolyse primärer Silikate und Auswaschung freigesetzter Ionen). Belastung durch eingesetzte Antibiotika, welche Bodenleben s.o. beinträchtigen. Überhöhte Nitratbelastung. Bildung von Schadstoffen wie Schwefel-, Chlor-, Kohlen- und Phosphorwasserstoff in anaerobem Milieu.

 

2. Stallmist: Auswaschung des enthaltenen Urins mit daraus folgender Nitratbelastung des Bodens

                      und Grundwassers.

    a. Fremd: unkontrollierbare Zuführung von Antibiotika, flächenschädigenden Fremdsamen

    b. Eigen: Endoparasitenreproduktion muss ausgeschlossen werden.

 

3. Pferdekot:

reich an enzymatisch aufgeschlossenen und nicht resorbierten AS aus den Rohproteinen, aber uU

belastet mit resistenten Endoparasiten - Enthäuten insbesondere der Askarideneier (Lipoprotein- und Chitinmantel) durch Fermente der Schimmel- und Hefepilze in der Rotte s.o.

 

Fortsetzung folgt!