Paddockuntergrund: Aufbau, Abführung und Weiterbehandlung der Ausscheidungen

 

Vorbemerkung:

Die Diskussion um Nitratbelastung der Wasserkörper nimmt zu, die Trinkwasserversorgung verteuert sich, weil zu hohe Nitratwerte schädlich für den Organismus sind*.

Fachlich reden wir hier von Gülle, die auf Flächen in zu hohem Maße aufgebracht wird und deren Harnstoffanteil diese Problematik verursacht. Die Harnstoff-Konzentration im Urin ist abhängig von der Versorgung der Tiere mit Proteinen. Qualitativ hochwertige Proteine (Schwefeldüngung!) in reduzierter Gesamtmenge lassen die Harnstoffkonzentration sinken - siehe zu Proteinqualität und -quantität über den hier hinterlegten link.

Paddocks und (Tages)ausläufe bilden hier ein Modell ab, insbesondere wenn, wie bei uns, dort ein Brunnen das Tränkwasser aus der Tiefe darunter gewinnt.

* Hierzu eine kleine Anmerkung:

Technisch ist es machbar, Nitrat aus dem Trinkwasser zu entfernen, teuer, aber machbar. Der Blick an die bretonische oder mexikanische Küste mit Blau- bzw. Braunalgenbildung aus Eutrophierung (N und P aus Gülle!) , zeigt die Dimension, denn dort kollabieren Systeme.  Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wäre vllt. Flächen kontur, also quer zum Gefälle zu pflügen auch wenn die Zahl der Wendungen dabei höher ist. UND: Spülwasser der Waschmaschinen für die Toiletten, statt Trinkwasser......

 

Es gilt somit Wege zu finden, die flüssigen Ausscheidungen der Tiere aufzufangen und abzuleiten.

Kot selbst enthält aus der Proteinverdauung bei Pferden Aminosäuren, welche im Dickdarm nicht mehr aufgenommen werden und keinen Harnstoff, denn der wird über die Nieren ausgeschieden. Feste und flüssige Ausscheidungen sind also voneinander zu trennen. Box oder Unterstand mit Stroheinstreu sind hier fehl am Platz: Urindurchsuppte Mischungen aus Stroh und Kot müssen im Freiland abgedeckt werden, um Auswaschungen zu vermeiden. Allerdings trennt diese Schutzmaßnahme dann beispielsweise auch die Fledermäuse von einer Nahrungsquelle, den Mistkäfern. Reiner Kot ist  bester Grundstoff und geht in die Rotteförderung - siehe hinterlegten link.

 

Es ist es illusorisch, einen Paddock von etlichen Quadratmetern komplett abdichten und drainagieren zu wollen.

 

Daraus einen Blick auf das Pinkelverhalten unserer Vierbeiner:

Sie mögen es nicht, wenn beim "Wasserlassen" etwas an den Hinterbeinen hochspritzt, werden also harte Untergründe nicht als Pinkelstellen verwenden.

Ein Pferd, welches nur auf weichen Untergründen steht, bekommt über die Jahre breitere Trachten und längere Zehen mit flacheren Winkeln.

Daraus folgt, dass unterschiedliche Bodenausführung auf dem Auslauf nicht nur Hufgesundheit erhält, sondern auch Teile des Paddocks vor Urinbelastung schützt.

 

Daraus unterteilen wir in:

Pferdetoilette für´s Feste und Pinkelstreifen, Fressplätze mit Bodenbelag - ohne Abrieb, der Mikroplastik und Feinstäube freisetzt, Kopfsteinpflaster (Bild1) und für die Hufpflege planeben verlegte Betonplatten (Bild2). Dazu natürlich ein tiefeingelassenes Faß zur Aufnahme des Urins (Bild3 - natürlich in säurefestem WU-Beton) von den drainagierten Anteilen inkl. Unterstand (Matten statt Streu) nebst Krankenbox und den Auswaschungen der Pferdetoilette.

 

 

Der weitere Weg der Gülle:

Pumpe im Sammelbehälter - siehe Bild oben - füllt automatisch einen Behälter, der bei Erreichen der Füllmenge zur Seite gestellt wird und  so eine Weiterbearbeitung ermöglicht.

 

Hierzu die notwendigen biochemischen Grundüberlegungen:

 

Vorweg:

Die im Folgenden genannten Bakterien oder sonstige Zusätze, mit denen gearbeitet werden wird, sind allesamt heimisch, wir bleiben im natürlichen Gefüge. EMs aus Japan etc. bergen unseres Erachtens das Risiko einer Veränderung des Zusammenspieles, dessen Folgen nicht abschätzbar sind. Daraus reduzieren wir auf den Einsatz auf:

-Nitrosomas und Nitrobakter als Nitrifikanten (aerob)

-Pseudomonas und Alcaligenes als Denitrifikanten (fakultativ anaerob)

bzw. alternativ  eine aerobe Ammoniumoxidation (Anamoxreaktion) zum direkten Abbau von Ammonium zu Stickstoff mit Planctomyceten. Die Familie der Brocadiaceae kommt hier mit 5 bekannten Gattungen in Betracht:

Brocadia (wichtigster Vertreter), Scalindua, Kuenania, Jettenia, Anamoxxoglobus.

 

Zur Verdeutlichung:

Die Proteinabbaustoffe NH3 und CO2 werden in der Leber umgebaut zu Harnstoff (CH4N2O) und -säure.

 

Nitritbakterien oxidieren Ammoniumionen (NH4+) zu Nitritionen (NO2-):

2NH4+ + 3O2 > 2NO2- + 2H2O + 4H+

 

Nitratbakterien oxidieren diese zu Nitrationen (NO3-):

2NO2- + O2 > 2NO3-

 

zusammengefaßt und ergänzt:

Urin: Harnstoff + Urease + Wasser > Ammonium/Ammoniak  (Dissoziationsgleichgewicht + Hydrogencarbokation!) + CO2 > aerobe Nitrifizierung > Nitrat + Denitrifikation > N.

 

Aber nicht jede Reaktion ist uneingeschränkt auf die Kinetik in Wasserlösung zu übertragen, da teilweise anaerobe Verhältnisse Voraussetzung sind. Dies können wir uU beheben, wenn die Verfüllung der Pinkelstrecke in den Prozeß mit einbezogen wird. Wir werden sehen.

 

Übrigens: Hier werden allesamt natürliche Prozesse aufgenommen, die auch im Boden stattfinden, so lange bis man durch Übergüllung und der daraus folgenden pH-Wert-Verschiebung, die Zusammensetzung der Bakterien im Boden verschiebt. Gülle ist sauer und führt unbehandelt zu einer Senkung des Boden-pH-Wertes bis hin zu Säuredegradation - siehe hierzu Unterfrauner*. Heißt für uns: Harnstofflösung muss auf eine Konzentration von ca. 10% eingestellt werden (pH-Wert-Kontrolle!)